Vor dem Nobelpreis ist nach dem Nobelpreis

Buchhändlerins Vergnügen mit Olga Tokarczuk

Seit Erscheinen ihrer ersten Texte in Deutschland lese und verehre ich Olga Tokarczuk. Als im Herbst 2014 ihr letzter großer Roman in Polen erschien, trubelte ich mit Verlags- und Buchhandelsmenschen auf Einladung des Polnischen Kulturinstitutes mehrere Tage über die Buchmesse in Krakow. In einer der vielen bunt-fröhlichen Altstadtkneipen traf ich sie dann und im Gespräch wurde mir dramatisch klar, auch für eine vielfach mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete Autorin war es nicht leicht, einen Verlag in Deutschland zu finden, der ihr Werk schätzt und nachhaltig pflegt.

Allergrößte Freude vor einem Jahr mit der Ankündigung der Neuauflage ihres Buch „Unrast“ und der Übersetzung von „Die Jakobsbücher“. Dem Kampa Verlag seit größter Dank!

olga tokarczuk
Am Mittwoch der zweiten Oktoberwoche startete Olga Tokarczuk ihre Lesereise in Deutschland in der Potsdamer Buchhandlung Wist.
Die Autorin zu hören und zu sehen, war mir die kleine Reise von Berlin nach Potsdam wert. Nichts ahnend ob der Entscheidungen in Stockholm, genoß ich diesen für mich besonderen Buchpremiereabend, hörte die ersten Passagen, staunte ob der komplexen historischen Zusammenhänge, die mir der Roman eröffnen würde und ob der enormen Übersetzungsarbeit durch Lisa Palmes. Als wenige Stunden später – am Donnerstagmittag – die Nobelpreisträger*innen verkündigt wurden, lief ich den ganzen Tag schwer gerührt durch meine Buchhandlung und fand nur wenig Worte für andere Autorinnen.

Ich wünschte, viele Literaturinteressierte finden jetzt zu ihren Büchern, ihrer ganz besonderen Art der Welterfahrung und Weltwahrnehmung, ihrer Erzählkunst.

 

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